Ellmendinger Kelterkonzerte

Ellmendinger Kelterkonzerte e.V.
Folkmusik unter historischem Gebälk
37. Saison 2019
Das aktuelle Programm
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* * * Bericht & Impressionen des letzten Konzertes * * *
Blues mit Ignaz Netzer dem „Bluesinator“

Ein passendes Synonym für den Schwaben Ignaz Netzer, der am vergangenen Samstag mit seiner schwarzen Stimme und mitreißendem Blues die alte Kelterhalle in Ellmendingen rockte, das auch wie der folgende Satz einer Rezension einer Heilbronner Zeitung entnommen wurde: „Ignaz Netzers Soloprogramm ist der lebende Beweis für das, was Musikwissenschaftler schon längst vermuten: Der Blues kommt aus dem Schwabenland!“ Es sei also nur noch eine Frage der Zeit, bis wegen ihm Mississippi-Raddampfer auf dem Neckar gesichtet würden. Und eine Schweizer Zeitung schrieb, er sei der weißeste Schwarze von ganz Deutschland.
 
Blues-, Folk-, Ragtime- und Gospelklassiker begeisterten genauso, wie seine eigenwilligen Kompositionen, die er auch schon mal für seine Katzen geschrieben hat, für Lady Gaga oder das dicke Bärchen Willi, beides keine „Katzenmusik“, sondern gefühlvoller Blues.
 
Beeindruckend, welche Töne er seiner Akustikgitarre entlockte und dabei ein authentisches Bluesfeeling erzeugte. Dazu seine unverwechselbare raue schwarze Stimme, die wie andernorts schon erwähnt, der eines alten schwarzen Baumwollpflückers vom Mississippi in nichts nachsteht.
 
Einmal lässt er auch seinen „Goschehobel“, wie er seine Bluesharp auf schwäbisch bezeichnet, lautstark zu Wort kommen, indem er ihr singende, lachende, schreiende und quäkende Laute entlockt, was das stark applaudierende Publikum kaum auf seinen Sitzen hält.
 
Mit im Gepäck hatte er eine Resonanz-Metallgitarre aus dem Jahr 1933, einem Instrument aus seiner umfangreichen Sammlung, die lautstark mit rockenden Klängen ohne Verstärkung zu Wort kommen darf, wobei er sein ganzes Können mit Fingerpickings verschiedenen Riffs und Slides ausspielt.
 
Mit den Zugaben, dem Ohrwurm „Midnight Special“ und dem gefühlvollen „When The Music´s Over“ ging das Konzert zu Ende.
Schön, dass wir ihn auch mal in Ellmendingen erleben durften.

* * * Nächstes Konzert * * *

Samstag / 09.11.2019 / 19:30 Uhr
Saal Gasthaus Löwen, Ellmendingen
                          
Zoë Conway und John McIntyre
Traditionelle alte und neue irische Musik in höchster Vollendung

Zoë Conway vereint in ihrer Musik virtuos die Wurzeln der traditionellen irischen Musik mit Elementen der Klassik, ebenso wie mit Jazz und anderer Moderne.
Sie tourt weltweit, gastierte in fast allen bedeutenden Konzerthäusern von der Carnegie Hall, New York, der National Concert Hall, Dublin, bis hin zum Kreml.
Mit ihrem Mann John McIntyre bildet sie seit Jahren ein erfolgreiches Duo. John spielt seit seinem achten Lebensjahr Gitarre und ist in der irischen Pop Szene bekannt geworden.
Zoë und John bilden ein kongeniales Duo, ihr Zusammenspiel ist wie aus einem Guss und ihr Charme begeistert das Publikum ebenso wie ihre Musik.

Eintritt: 12 Euro
Dienstag / 26.11.2019 / 19:30 Uhr
Evangelische Andreaskirche Dietlingen
                                    
                     Leuchter und Melrose
World Accordeon meets Fingerstyle Guitar

Zwei international anerkannte Virtuosen aus unterschiedlichen Genres treffen sich auf einer Bühne. Mit einer gespannten Neugier, einem tiefen gegenseitigen Respekt und einer unbändigen Spielfreude greifen sie in die  Saiten und Tasten. Dabei entstehen magische musikalische Momente, wilde Improvisationen, pulsierende und schräge Rhythmen wirbeln durch die Luft. Leuchter der begnadete Virtuose mit arabischem Einschlag, und Melrose, einer der einflussreichsten Folk-Akustikgitarristen im keltischen Bereich. Eine wunderbare Symbiose zweier Welten. Die zuerst staunende Sprachlosigkeit der Zuschauer wandelt sich schnell in Begeisterung. Ein wunderbares Konzert zur Adventszeit in stimmungsvollem Ambiente

Eintritt: 12 Euro
* * * Impressionen von den Konzerten der Saison * * *
Vier Leiermänner
 
Zu Anfang stellt sich vielen die Frage: "Was ist eigentlich eine Drehleier?"
„Die Drehleier ist ein Streichinstrument, bei dem die Saiten von einem eingebauten Rad angestrichen werden, das mittels einer Kurbel gedreht wird. Die schwingende Länge einer oder mehrerer Melodiesaiten wird mechanisch über Tasten verkürzt, um die Tonhöhe zu verändern. Meist klingen eine oder mehrere Bordunsaiten auf konstanter Tonhöhe mit. Die Drehleier wird daher wie die Sackpfeife zu den Bordun-Instrumenten gezählt. Zum Erzeugen von rhythmischen Schnarrlauten dient oft ein Schnarrsteg" – soweit aus wikipedia.

Also ein typisches Instrument der „Alten“ Folkmusik, wie wir sie bereits des Öfteren aus allen Breiten Europas in der Alten Ellmendinger Kelter erleben durften, fast immer zusammen mit Akkordeon, Fiddle und Dudelsack.
 
Nun hatten aber am vergangenen Samstag die vier Drehleierspieler beschlossen fetzige Swing-, Latin- und Jazzrhythmen des vergangenen Jahrhunderts zum Besten zu geben.

Erklang zur Konzerteröffnung mit La Grande Bete, ein klassischer Schottisch, so legten im weiteren Verlauf des Abends, die Musiker abwechselnd ihr „Hauptinstrument“ zur Seite, um mit einem anderen ihrer Lieblingsinstrumente die Drehleier zu begleiten. So bediente Roland Bach aus Schlaitdorf das Akkordeon. Der extra aus Berlin angereiste Ulrich Hammann griff in die Pianotasten. Tilman Teuscher aus Esslingen blies in verschiedene Blechblasinstrument und Michael von der Weth aus Zaisenhausen begleitete alles mit der Gitarre.
 
Mit Summertime, Autumn Leaves, Tenor Madnes, Take the A-Train und vielen anderen Ohrwürmern aus der Welt des Swing, Jazz und Bossa Nova, begeisterten die vier Leiermänner das Publikum, wie nicht nur aus dem häufigen Szenenapplaus zu schließen war – also: Experiment – Drehleier anstatt Saxophon als Leitinstrument - voll gelungen.
 
Mit den Zugaben „What a Wonderfull World“ und "Bei mir bist du scheen“, entließen die Musiker nach 22.00 Uhr ihr Publikum in eine kühle Juninacht.
Saisoneröffnung mit dem Lanzinger Trio - Stubenmmusik der etwas anderen Art

In einem Standardwerk der alpenländischen Volksmusik heißt es: „Oft führt die Lust am Musizieren zwei oder drei Musikanten zusammen: in der ungünstigen Jahreszeit am Abend in der Stube, an schönen Tagen vor dem Hause oder oben auf der Alm“.
 
Zumindest die „Location“ beim Auftritt des Lanzinger Trios in der Alten Kelter in Ellmendingen stimmte einigermaßen, auch die „ungünstige Jahreszeit“ mit Mamertus, dem ersten der vier Eisheiligen, passte.
 
Ja da werden wir Ihnen wohl gleich musikalisch in der Vorweihnachtszeit ordentlich einheizen müssen, meinte Jörg Lanzinger, zum in dicke Jacken eingepackten Publikum. Gesagt getan – und so wechselten sich flotte Landler, Polkas, orientalische und karibische Rhythmen in bunter Reihenfolge einander ab, welche die frische Luft in der offenen Kelterhalle vergessen ließen.
 
Absolut professionell beherrschten die aus Günzburg und München angereisten Musiker ihre Instrumente. Hannes  Mühlfriedel an der Gitarre, Komalé Akakpo am Hackbrett und Jörg Lanzinger an der Zither (unser Foto von links nach rechts). Überhaupt Komalé Akakpo, ein Zauberer auf seinem Instrument, der seine beiden Schlägel in atemberaubenden Tempo über die Saiten hämmern ließ, weit entfernt von beschaulicher alpenländischer Stubenmusik.
 
Oft riss es das Publikum zu begeistertem Szenenapplaus hin. So war es auch kein Wunder, dass trotz der frischen Temperatur, beim „Open Air“ unter dem historischen Keltergebälk, die Musikanten erst nach mehreren Zugaben die Bühne verlassen durften.
Stroemkarlen Trio
Nordisch skandinavischer Folk

Den Namen Strömkarlen haben die vier Musikerinnen und Musiker dem skandinavischen Wassergeist entlehnt, dem nachgesagt wird, dass er junge Mädchen mit Harfenklängen verführe, um sie in sein Unterwasserreich zu locken. Aber nicht nur der Strömkarlen, sondern auch die nordischen Götter Odin und der alte Donnerer Thor waren als Mädchen Gefährder nicht ohne, obwohl ihnen durch manche Göttin hin und wieder mit entsprechenden Streichen die Schürzenjagd vergällt wurde.
Über diese und andere Götter- und Heldengeschichten aus der Edda, dem isländischen Sagenbuch des 13. Jahrhunderts, berichteten die Künstler vor jedem ihrer entsprechend musikalisch umgesetzten Stücke. Zunächst auf deutsch, um sie dann gesanglich in altskandinavischer Sprache vorzutragen. Entweder in wunderbar harmonischem Zusammenklang acappella oder begleitet von Bass, Gitarre, Geige und der alten schwedischen Nyckelharpa, der Caterina Other traumhafte oder auch mal fetzige Klänge zu entlocken wusste. In Ermangelung überlieferter Melodien aus der Zeit der Edda, hatten sich die Künstler die Freiheit genommen, die Texte in ein eigens dafür gewebtes musikalisches Gewand aus skandinavisch und irisch geprägtem Folk umzusetzen, was als durchaus gelungen, jeweils mit starkem Applaus durch das Publikum belohnt wurde.
Rassler, Bauer, Goldschmied
Musikalische Geschichststunde

Eröffnet wurde das Konzert durch die Stadtführerin Sabine Nittel-Schwämmle, gekleidet als Rasslerin Lina aus vergangener Zeit. Sie berichtete über die nicht ganz so gute „alte Zeit“, als allmorgendlich die einfachen Bauern und Winzer mit genagelten Schuhen aus den umliegenden Dörfern über das Kopfsteinpflaster der Vororte nach Pforzheim zur Arbeit in der Schmuckindustrie „rasselten“. Dort mussten sie täglich bis zu 12 Stunden als Schmuckarbeiter ihrem Neben- oder Haupterwerb nachgehen. Danach ging es auf den langen Heimweg oder man blieb die Woche über in der Stadt.

Wer waren diese Wanderer zwischen bäuerlicher Tradition und industrieller Moderne? Die vier Musiker der "Rasslerbande" begaben sich in der Alten Kelter in Ellmendingen auf Spurensuche und ließen den „Klang“ der Rassler wieder aufleben. Mit Hilfe von Erzählungen und historischen Berichten zeichneten sie das Leben der „Rassler“ fesselnd nach. Dazwischen streuten sie  meisterhaft gespielte Polkas, Schottisch oder Zwiefache und sangen Lieder aus den vergangenen Zeiten. Mit dabei war das neu vertonte Gedicht „O Schwarzwald o Heimat“, des Pforzheimers Ludwig Auerbach, das wohl weit über Pforzheims Grenzen hinaus bekannteste Lied zum Schwarzwald.
Dieser bemerkenswerte Abend endete mit dem eigens für dieses Programm komponierten Stück "Wer bist du". Es berichtet von dem Jungen der seinen Opa bittet zu erzählen, wie es damals war und wer der Opa damals war. Mit dieser Erkenntnis kann heute der Enkel erahnen, wer er ist. Ein sehens- und hörenswerter Abend.

Wer ihn verpasst hat und mehr übers Rasseln wissen möchte, kann die "Rasslerbande" dieses Jahr noch zweimal im Konzert erleben. Alle Informationen dazu können auf der Website Rassler, Bauer, Goldschmied abgerufen werden.


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