Ellmendinger Kelterkonzerte

Ellmendinger Kelterkonzerte e.V.
Folkmusik unter historischem Gebälk
37. Saison 2019
Das aktuelle Programm
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* * * Bericht & Impressionen des letzten Konzertes * * *
Musik-Duo harmoniert wie ein altes Ehepaar
 

Gesucht und gefunden haben sich nicht nur die Musiker Manfred Leuchter und Ian Melrose, sondern auch ihre Instrumente – ein Akkordeon und eine Gitarre, die ebenso gut wie ihre Spieler miteinander harmonieren, sodass es nichts weiter braucht für das letzte Ellmendinger Kelterkonzert in diesem Jahr – wie immer zum Einläuten der Adventszeit in passendem Ambiente in der Dietlinger Andreaskirche. „Wir spielen seit zwölf Jahren miteinander, gehen zusammen auf Reisen, haben uns gegenseitig Lieder geschrieben und sind eigentlich wie ein altes Ehepaar“, stellen die beiden erfahrenen Musiker fest, scherzen über ihr vorangeschrittenes Alter, aber werden noch lange nicht müde, sobald sie ihre Instrumente in der Hand halten: Der begnadete Jazzer Leuchter mit dem arabischen Einschlag greift mit einer unbändigen Spielfreude in die Tasten seines Akkordeons, das er mit einer um den Fuß gebundenen Percussion-Schelle begleitet, während Melrose als einer der einflussreichsten Folk- und Akustikgitarristen im keltischen Bereich mit hoher Fingerfertigkeit an den Saiten begeistert.
 
„Als wir uns kennenlernten, dachte ich, ein Fingerpicker ist einer, der nicht mit Messer und Gabel essen kann“, erinnert sich Leuchter – wenig später habe er bemerkt, dass sein Kamerad Melrose dort, wo man sonst drei Instrumente brauche, Bass, Schlagzeug und natürlich Gitarre in einem vereine. Wenn die beiden musikalisch auf ihre Reisen von Palästina, Ungarn bis Lateinamerika zurückblicken, nimmt Melrose auch mal gerne sein bambus-hölzernes Xaphoon oder die Konzertpfeife in den Mund. Trotz der guten Freundschaft offenbare sich so manche Überraschung – beispielsweise, dass Melrose auch mal ganz romantische Töne aufschlagen könne und Chili-Schokolade mit Espresso mag. Dazu lassen sie es regnen. „Es regnet wirklich“, stellt Rudi Armbruster, Vorsitzender der Ellmendinger Kelterkonzerte fest und freut sich über die äußerst seltene, aber gute Entscheidung, das Duo wiederholt eingeladen zu haben – trotz des Credos, jeden Künstler nur einmal nach Keltern zu holen. „Die beiden sind so gut, dass wir einfach nicht drum herumgekommen sind.“   
 
Auch für die 38. Saison im kommenden Jahr haben die Kelterkonzerte für alle etwas dabei, wie Armbruster mit Blick auf das demnächst veröffentlichte Programm verriet. Nach dem geplanten Start am 15. Mai mit ausgefeiltem Deutsch-Folk der Band „Bube Dame König“ treten in den fünf weiteren Terminen unter anderem Gypsy-Swinger Joscho Stephan und die Gruppe „Väsen“ aus Schweden auf.     
 
Text und Fotos: Zachmann
 
 
* * * Saisonende * * *
Unsere Konzertsaison ist beendet. Wir wünschen unseren Freunden, Vereinsmitgliedern und allen Besuchern unserer Veranstaltungen ein friedvolles Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr.

Das Programm für nächste Saison ist in Vorbereitung. Sobald die Tinte unter den Gastspielverträgen trocken ist informieren wir Sie an dieser Stelle über das neue Programm.

Schöne Weihnachten und einen guten Rutsch wünschen Ihnen
der Ellmendinger Kelterkonzerte e.V.
* * * Impressionen von den Konzerten der Saison * * *
Vier Leiermänner
 
Zu Anfang stellt sich vielen die Frage: "Was ist eigentlich eine Drehleier?"
„Die Drehleier ist ein Streichinstrument, bei dem die Saiten von einem eingebauten Rad angestrichen werden, das mittels einer Kurbel gedreht wird. Die schwingende Länge einer oder mehrerer Melodiesaiten wird mechanisch über Tasten verkürzt, um die Tonhöhe zu verändern. Meist klingen eine oder mehrere Bordunsaiten auf konstanter Tonhöhe mit. Die Drehleier wird daher wie die Sackpfeife zu den Bordun-Instrumenten gezählt. Zum Erzeugen von rhythmischen Schnarrlauten dient oft ein Schnarrsteg" – soweit aus wikipedia.

Also ein typisches Instrument der „Alten“ Folkmusik, wie wir sie bereits des Öfteren aus allen Breiten Europas in der Alten Ellmendinger Kelter erleben durften, fast immer zusammen mit Akkordeon, Fiddle und Dudelsack.
 
Nun hatten aber am vergangenen Samstag die vier Drehleierspieler beschlossen fetzige Swing-, Latin- und Jazzrhythmen des vergangenen Jahrhunderts zum Besten zu geben.

Erklang zur Konzerteröffnung mit La Grande Bete, ein klassischer Schottisch, so legten im weiteren Verlauf des Abends, die Musiker abwechselnd ihr „Hauptinstrument“ zur Seite, um mit einem anderen ihrer Lieblingsinstrumente die Drehleier zu begleiten. So bediente Roland Bach aus Schlaitdorf das Akkordeon. Der extra aus Berlin angereiste Ulrich Hammann griff in die Pianotasten. Tilman Teuscher aus Esslingen blies in verschiedene Blechblasinstrument und Michael von der Weth aus Zaisenhausen begleitete alles mit der Gitarre.
 
Mit Summertime, Autumn Leaves, Tenor Madnes, Take the A-Train und vielen anderen Ohrwürmern aus der Welt des Swing, Jazz und Bossa Nova, begeisterten die vier Leiermänner das Publikum, wie nicht nur aus dem häufigen Szenenapplaus zu schließen war – also: Experiment – Drehleier anstatt Saxophon als Leitinstrument - voll gelungen.
 
Mit den Zugaben „What a Wonderfull World“ und "Bei mir bist du scheen“, entließen die Musiker nach 22.00 Uhr ihr Publikum in eine kühle Juninacht.
Saisoneröffnung mit dem Lanzinger Trio - Stubenmmusik der etwas anderen Art

In einem Standardwerk der alpenländischen Volksmusik heißt es: „Oft führt die Lust am Musizieren zwei oder drei Musikanten zusammen: in der ungünstigen Jahreszeit am Abend in der Stube, an schönen Tagen vor dem Hause oder oben auf der Alm“.
 
Zumindest die „Location“ beim Auftritt des Lanzinger Trios in der Alten Kelter in Ellmendingen stimmte einigermaßen, auch die „ungünstige Jahreszeit“ mit Mamertus, dem ersten der vier Eisheiligen, passte.
 
Ja da werden wir Ihnen wohl gleich musikalisch in der Vorweihnachtszeit ordentlich einheizen müssen, meinte Jörg Lanzinger, zum in dicke Jacken eingepackten Publikum. Gesagt getan – und so wechselten sich flotte Landler, Polkas, orientalische und karibische Rhythmen in bunter Reihenfolge einander ab, welche die frische Luft in der offenen Kelterhalle vergessen ließen.
 
Absolut professionell beherrschten die aus Günzburg und München angereisten Musiker ihre Instrumente. Hannes  Mühlfriedel an der Gitarre, Komalé Akakpo am Hackbrett und Jörg Lanzinger an der Zither (unser Foto von links nach rechts). Überhaupt Komalé Akakpo, ein Zauberer auf seinem Instrument, der seine beiden Schlägel in atemberaubenden Tempo über die Saiten hämmern ließ, weit entfernt von beschaulicher alpenländischer Stubenmusik.
 
Oft riss es das Publikum zu begeistertem Szenenapplaus hin. So war es auch kein Wunder, dass trotz der frischen Temperatur, beim „Open Air“ unter dem historischen Keltergebälk, die Musikanten erst nach mehreren Zugaben die Bühne verlassen durften.
Stroemkarlen Trio
Nordisch skandinavischer Folk

Den Namen Strömkarlen haben die vier Musikerinnen und Musiker dem skandinavischen Wassergeist entlehnt, dem nachgesagt wird, dass er junge Mädchen mit Harfenklängen verführe, um sie in sein Unterwasserreich zu locken. Aber nicht nur der Strömkarlen, sondern auch die nordischen Götter Odin und der alte Donnerer Thor waren als Mädchen Gefährder nicht ohne, obwohl ihnen durch manche Göttin hin und wieder mit entsprechenden Streichen die Schürzenjagd vergällt wurde.
Über diese und andere Götter- und Heldengeschichten aus der Edda, dem isländischen Sagenbuch des 13. Jahrhunderts, berichteten die Künstler vor jedem ihrer entsprechend musikalisch umgesetzten Stücke. Zunächst auf deutsch, um sie dann gesanglich in altskandinavischer Sprache vorzutragen. Entweder in wunderbar harmonischem Zusammenklang acappella oder begleitet von Bass, Gitarre, Geige und der alten schwedischen Nyckelharpa, der Caterina Other traumhafte oder auch mal fetzige Klänge zu entlocken wusste. In Ermangelung überlieferter Melodien aus der Zeit der Edda, hatten sich die Künstler die Freiheit genommen, die Texte in ein eigens dafür gewebtes musikalisches Gewand aus skandinavisch und irisch geprägtem Folk umzusetzen, was als durchaus gelungen, jeweils mit starkem Applaus durch das Publikum belohnt wurde.
Rassler, Bauer, Goldschmied
Musikalische Geschichststunde

Eröffnet wurde das Konzert durch die Stadtführerin Sabine Nittel-Schwämmle, gekleidet als Rasslerin Lina aus vergangener Zeit. Sie berichtete über die nicht ganz so gute „alte Zeit“, als allmorgendlich die einfachen Bauern und Winzer mit genagelten Schuhen aus den umliegenden Dörfern über das Kopfsteinpflaster der Vororte nach Pforzheim zur Arbeit in der Schmuckindustrie „rasselten“. Dort mussten sie täglich bis zu 12 Stunden als Schmuckarbeiter ihrem Neben- oder Haupterwerb nachgehen. Danach ging es auf den langen Heimweg oder man blieb die Woche über in der Stadt.

Wer waren diese Wanderer zwischen bäuerlicher Tradition und industrieller Moderne? Die vier Musiker der "Rasslerbande" begaben sich in der Alten Kelter in Ellmendingen auf Spurensuche und ließen den „Klang“ der Rassler wieder aufleben. Mit Hilfe von Erzählungen und historischen Berichten zeichneten sie das Leben der „Rassler“ fesselnd nach. Dazwischen streuten sie  meisterhaft gespielte Polkas, Schottisch oder Zwiefache und sangen Lieder aus den vergangenen Zeiten. Mit dabei war das neu vertonte Gedicht „O Schwarzwald o Heimat“, des Pforzheimers Ludwig Auerbach, das wohl weit über Pforzheims Grenzen hinaus bekannteste Lied zum Schwarzwald.
Dieser bemerkenswerte Abend endete mit dem eigens für dieses Programm komponierten Stück "Wer bist du". Es berichtet von dem Jungen der seinen Opa bittet zu erzählen, wie es damals war und wer der Opa damals war. Mit dieser Erkenntnis kann heute der Enkel erahnen, wer er ist. Ein sehens- und hörenswerter Abend.

Wer ihn verpasst hat und mehr übers Rasseln wissen möchte, kann die "Rasslerbande" dieses Jahr noch zweimal im Konzert erleben. Alle Informationen dazu können auf der Website Rassler, Bauer, Goldschmied abgerufen werden.


Blues mit Ignaz Netzer dem „Bluesinator“

Ein passendes Synonym für den Schwaben Ignaz Netzer, der am vergangenen Samstag mit seiner schwarzen Stimme und mitreißendem Blues die alte Kelterhalle in Ellmendingen rockte, das auch wie der folgende Satz einer Rezension einer Heilbronner Zeitung entnommen wurde: „Ignaz Netzers Soloprogramm ist der lebende Beweis für das, was Musikwissenschaftler schon längst vermuten: Der Blues kommt aus dem Schwabenland!“ Es sei also nur noch eine Frage der Zeit, bis wegen ihm Mississippi-Raddampfer auf dem Neckar gesichtet würden. Und eine Schweizer Zeitung schrieb, er sei der weißeste Schwarze von ganz Deutschland.
 
Blues-, Folk-, Ragtime- und Gospelklassiker begeisterten genauso, wie seine eigenwilligen Kompositionen, die er auch schon mal für seine Katzen geschrieben hat, für Lady Gaga oder das dicke Bärchen Willi, beides keine „Katzenmusik“, sondern gefühlvoller Blues.
 
Beeindruckend, welche Töne er seiner Akustikgitarre entlockte und dabei ein authentisches Bluesfeeling erzeugte. Dazu seine unverwechselbare raue schwarze Stimme, die wie andernorts schon erwähnt, der eines alten schwarzen Baumwollpflückers vom Mississippi in nichts nachsteht.
 
Einmal lässt er auch seinen „Goschehobel“, wie er seine Bluesharp auf schwäbisch bezeichnet, lautstark zu Wort kommen, indem er ihr singende, lachende, schreiende und quäkende Laute entlockt, was das stark applaudierende Publikum kaum auf seinen Sitzen hält.
 
Mit im Gepäck hatte er eine Resonanz-Metallgitarre aus dem Jahr 1933, einem Instrument aus seiner umfangreichen Sammlung, die lautstark mit rockenden Klängen ohne Verstärkung zu Wort kommen darf, wobei er sein ganzes Können mit Fingerpickings verschiedenen Riffs und Slides ausspielt.
 
Mit den Zugaben, dem Ohrwurm „Midnight Special“ und dem gefühlvollen „When The Music´s Over“ ging das Konzert zu Ende.
Schön, dass wir ihn auch mal in Ellmendingen erleben durften.
Irish im Ellmendinger Löwen

Einen wunderbaren Irish-Folk Abend durfte das Publikum am vergangenen Samstag beim vorletzten Konzert der Saison 2019 der Ellmendinger Kelterkonzerte erleben. Zoe Conway, eine Meisterin auf der Geige und ihr nicht minder begabter Mann John Mcintyre auf der Gitarre, begeisterten das dicht gedrängte Publikum im kleinen Saal des Ellmendinger Löwen mit Jigs, Reels und Balladen aus ihrer irischen Heimat. Mit kristallklarer Stimme zu feurigem Fiddle-Klang nahm Zoe ihr Publikum mit an das Meer der Westküste Irlands, in die grünen Hügel ihrer Heimat, oder auch mal witzig und treffend intoniert auf einen Hühnerhof oder eine rasante Bahnfahrt. Wahre Begeisterungsstürme entfachte zusätzlich der Auftritt des 16-jährigen Neffen von Zoe mit seiner Low-Whistle, der seine Tante als Feriengast auf einigen Etappen der Tournee begleiten darf.
Nach drei Zugaben, hätte man gerne noch mehr gehört.

* * * Nächstes Konzert * * *

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